Bienenwachstücher – nachhaltig verpacken

Titelbild Wachstücher

Müllvermeidung ist ja ein riesen Thema. Eigentlich jeder den ich kenne macht sich Gedanken darüber. Der eine mehr, der andere weniger. Aber so ziemlich jedem ist klar, dass wir unseren Plastikmüll ganz schnell und drastisch reduzieren müssen. Das gilt auch für Frischhaltefolie. Daher haben wir hier eine tolle Alternative für Euch: Bienenwachstücher, die Ihr Euch sogar zu Hause selber herstellen könnt!

Die Idee, Lebensmittel mit Wachstüchern frisch zu halten, ist natürlich nicht von mir. Die tollen Tücher kann man ja inzwischen schon im Supermarkt kaufen. Der eine oder andere kennt sie aber auch noch von der Oma – Es gab sie nämlich schon vor der Frischhaltefolie. und jetzt lösen Sie sie wieder ab – zumindest bei uns 😉

Wofür Ihr Bienenwachstücher brauchen könnt…

Die tollen Tücher sind ganz vielseitig einsetzbar. Als Abdeckung für Schalen und Teller, als Butterbrotpapier oder um Lebensmittel direkt darin einzuwickeln. Sie eignen sich für fast alle Lebensmittel. Außer, für rohes Fleisch, Geflügel, Fisch und Rohmilchprodukte.

…und wie Ihr sie verwendet

Durch die Wärme Eurer Hände nehmen sie jede Form an. Auch die Kälte im Kühlschrank bleiben Sie dann genau da, wo sie sollen. Bienenwachs hat zudem antibakterielle Eigenschaften. Die Tücher kann man mit kaltem oder lauwarmen Wasser und wenig Spüli abwaschen und immer wieder benutzen. Bei guter Pflege könnt Ihr Eure Bienenwachstücher ca. 1 Jahr lang benutzen.

Am liebsten selbst gemacht

Ich hab Bienenwachstücher vor einiger Zeit online entdeckt – und mir gedacht: das kannst Du auch selber machen! Ich hab also mal unseren lieben Imker von nebenan gefragt, ob er mir ein bisschen von seinem Bienenwachs verkauft. Das wollte er aber nicht – also, verkaufen. Er verschenkt es lieber – auch Recht ♥

Bienenwachs direkt vom Imker

Wie man daraus jetzt Bienenwachstücher macht, musste ich natürlich selber erstmal recherchieren. Ich hab mich also gründlich eingelesen und dann auch verschiedene Varianten ausprobiert. Ich beschreibe Euch hier natürlich nur die, die mich am meisten überzeugt hat. Eine kleine Sauerei ist es allemal. Und Ihr müsst mit klebrigen Fingern und Arbeitsmaterialien klar kommen.

Das braucht Ihr für Eure Bienenwachstücher

  • Bienenwachs (am einfachsten sind fertige Wachs-Pellets zu verarbeiten, die könnt Ihr online bestellen)
  • (Bio-) Baumwolle oder Leinen – die Stoffe müssen zu 100 % aus Naturfasern sein. Am Besten ist es natürlich, wenn Ihr alte Tischtücher oder Bettwäsche habt. Das ist dann Nachhaltigkeit in Reinkultur
  • eine Schere (am besten eine Zick-Zack-Schere)
  • Bienenwachs (100g)
  • Pflanzenöl (ca. 5g)
  • Baumharz (ca. 5g) – Es geht auch ohne Harz, die Tücher sind dann aber weniger haltbar)
  • ein altes Backblech
  • einen alten Löffel
  • eine alte Blechdose
  • 2 Wäscheklammern
  • ggf. Bügeleisen und Bügelbrett
  • ggf. Backpapier

Und schon kann´s losgehen

Wenn Ihr Wachs, wie ich, als „Block“ vom Imker habt, dann müsst Ihr ein bisschen Vorarbeit leisten. Meine Blöcke waren je ca. 500 g schwer. So viel wachs auf eimal wollte ich nicht verarbeiten. Daher habe ich es mit einem großen Schraubendreher erstmal zerkleinert.

Anschließend habe ich es komplett erhitzt und durch ein sauberes Baumwolltuch gefiltert. Denn dieses „rohe“ Wachs ist oft von Rückständen aus dem Bienenstock verunreinigt.

Zu guter letzt hab ich mein Bienenwachs dann in eine Eiswürfelform gegossen. So ist es für das nächste mal gleich „Gebrauchsfertig“ portioniert und kann ähnlich verwendet werden wie die gekauften Pellets. Und das geht so:

Ein bisschen Vorbereitung muss trotzdem sein

Als allererstes schneidet Ihr aus Eurem Stoff mit der (Zick-Zack-) Schere Stücke in beliebiger Größe zurecht. Überlegt einfach, wofür Ihr die Tücher braucht. (Ich habe mir Tücher in ganz verschiedenen Größen zum Abdecken aller möglichen Schüsseln und Schalen geschnitten. Außerdem nutze ich Sie super gern statt Butterbrot-Papier.)

Dann heizt Ihr Eurem Backofen auf 80 Grad ein. (bitte nicht heißer, sonst wird das Bienenwachs dunkel). Euer altes Backblech stellt Ihr gleich zum Vorheizen mit in den Ofen.

Jetzt erhitzt Ihr ein Bisschen Wasser in einem Topf und stellt die Blechdose mit dem Wachs, dem Harz und dem Öl in das Wasserbad. Das ganze erhitzt Ihr jetzt vorsichtig – das Wasser nicht zum Kochen bringen, Ihr wisst schon, 80 Grad und so. Während Wachs und Harz schmelzen solltet, Ihr ständig gut rühren. Das Baumharz schmilzt wesentlich langsamer als Euer Bienenwachs und die beiden Komponenten brauchen Zeit, um sich zu verbinden. Ihr braucht also etwas Geduld.

Bienenwachs schmelzen im Wasserbad

Und jetzt geht es richtig los – Bienenwachstücher aus dem Ofen

Wenn Wachs und Harz flüssig sind und Ihr den Eindruck habt, dass alles gut vermischt ist, kann es losgehen. Ihr gebt jetzt die Wachsmischung auf Euer Backblech und legt 2-3 Eurer Tücher hinein. Wenn die Tücher gut getränkt sind, nehmt Ihr sie einzeln heraus (Das geht am Besten indem Ihr die Bienenwachstücher mit zwei Wäscheklammern an den Ecken haltet).

Haltet das Tuch jetzt einen Moment hoch. Es dauert nur Sekunden, bis das Wachs anfängt zu trocknen. zu guter letzt könnt Ihr Euer Wachstuch auf einem Gitter abkühlen lassen. Und fertig ist Euer erstes, selbst gemachtes Wachstuch!

wenn Euer Bienenwachstuch nicht ganz glatt aussieht

Manchmal müsst Ihr noch ein Bisschen nacharbeiten. Wenn Eure Bienenwachstücher nicht ganz glatt aussehen, könnt Ihr Sie noch ein bisschen nach-bügeln. Dazu legt Ihr Euer Tuch zwischen zwei Lagen Backpapier und bügelt vorsichtig bei niedriger Stufe.

Wachsreste immer aufbewahren

Wenn Ihr nun etwas von Eurer Wachsmischung übrig habt, gebt Sie auf keinen Fall in den Müll! Ihr könnt die Mischung einfach in Silikon-Eiswürfelfomen füllen. So könnt Ihr Eure Mischung aufbewahren, bis Ihr wieder Nachschub an Bienenwachstüchern braucht!

so sieht das dann fertig aus – bereit fürs nächste Mal

Ein kleiner Tip: Wenn Ihr diese „Fertigmischung“ später verwenden möchtet, könnt Ihr sie natürlich auch direkt auf dem Backblech im Ofen schmelzen. Ihr spart Euch dann den „Umweg“ über das Wasserbad.

Reste als „Fertigmischung“

Wachstücher auffrischen

oft gebraucht – aber noch lange nicht für den Abfall
Ein häufig gebrauchtes Bienenwachstuch sieht schon mal ein bisschen knittrig aus. Das ist aber noch lange keine Grund, es in den Mülleimer zu verbannen. Ihr könnt das Tuch einfach vorsichtig zwischen zwei Blatt Backpapier bügeln.

Wenn Ihr dabei das Gefühl habt, die Wachschicht ist auch schon etwas abgenutzt? Dann könnt ihr ein bisschen was von Euren Resten darüber reiben. Das geht super mit einer ganz einfachen Käsereibe.

…und schon sieht das Wachstuch wieder richtig frisch aus!

Klebrige Materialien wieder sauber machen

Bienenwachs ist fürchterlich klebrig. So sehen die benutzen Materialien nach getaner Arbeit dann auch aus. Aber keine Angst. Das Wachs schmilzt ja schon bei 80 Grad!

Ich versuche so viel Wachs wie möglich von den benutzten Materialien abzukratzen (man möchte sich ja nicht den Abfluss verstopfen). Dann lege ich die benutzten Gegenstände (Löffel und ggf. Reibe) in das Backblech und übergieße alles mit kochendem Wasser. Mit etwas Seifenlauge lässt sich dann alles gut reinigen.

♥lichst

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