Obstbaumschnitt die zweite – noch ein Kurs im Garten

Ihr Lieben, am Samstag war wieder richtig was los in unserem Garten! Bei herrlichem Wetter durften wir zum zweiten mal Gastgeber für einen Obstbaum-Schnittkurs sein. Was wir dabei lernen durften, möchten wir natürlich mit Euch teilen ♥

Schon im März haben wir dem Geflügelzucht und Gartenbauverein unseren Garten für einen Obstbaum-Schnittkurs zur Verfügung gestellt. Was wir dabei gelernt haben, hatten wir damals hier berichtet. Auch den Folgekurs hat wieder Ruben von „Baum und Garten Wächter“ geleitet. Es war erstmal wieder ein bisschen komisch, teilweise wildfremde Menschen in unserem Garten zu begrüßen. Aber die Stimmung war mehr als entspannt. Durch die vielen Fragen, die die Teilnehmer so mitgebracht hatten war der Kurs super abwechslungsreich und kurzweilig. Und plötzlich ging es nicht mehr nur um den Obstbaumchnitt. Alle möglichen Fragen zum Thema Baum- und Pflanzenpflege wurden in unserem Garten besprochen.

Aber jetzt mal der Reihe nach…

Der Obstbaumschnitt

Nach einer kurzen Begrüßung und der Vorstellung unseres Gartenprofis Ruben Wächter, haben wir uns unseren kleinen Pflaumenbaum angeschaut.

unser Pflaumenbäumchen

Leider sieht man das zarte Bäumchen vor der Hecke auf dem Foto kaum – sorry dafür! Wie gesagt, den Baum hat Ruben im letzten Kurs im März bei uns gepflanzt. Damals bekam der Baum einen „Pflanzschnitt“ verpasst. Jetzt im Sommer haben wir nichts weiter gemacht. Da der Pflaumenbaum noch recht wenig Zuwachs zu verzeichnen hat, lassen wir ihm einfach Zeit, um sich auf das Wurzelwachstum zu konzentrieren. Was wir daraus gelernt haben: Bei jungen Bäumen erstmal nicht zu viel schneiden. Generell sollten Pflaumen nicht zu oft geschnitten werden. Sie neigen dann zu Wasserschossen. Also zu langen, spirrigen Trieben die keine Früchte tragen.

Weiter ging es dann zu unserem „wild gewachsenen“ Apfelbaum. An dem hatten wir uns im letzten Kurs so richtig ausgetobt. An den Schnittstellen aus dem März-Kurs hatten sich teilweise spirrige Wassertriebe gebildet. Diese sollten jetzt nicht geschnitten werden. Sonst entstehen an den Schnittstellen noch mehr Triebe. Hier ist das Ausreißen der Triebe die erste Wahl.

der ausgerissene Trieb…
…und die Ausriss-Stelle

Man sieht im unteren Bild ganz gut die „schlafenden Augen“ am Trieb rechts neben der „Wunde“. Wenn man den Trieb ausreißt, werden die mit entfernt. Sie können dann nicht mehr zu neuen Trieben werden. Toller Trick, oder? 😉

Natürlich kam die Frage auf, ob der Baum so nicht zu sehr verletzt wird. Unser Kursleiter hat das klar verneint. natürlich entsteht hier eine Verletzung die größer ist, als eine Schnitt-Verletzung. Aber ein gesunder Baum kann das wieder heilen. Man sollte allerdings nicht zu spät schneiden. Im Winter kann der Baum solche Wunden nicht mehr so gut schließen und wird anfällig für Schädlinge.

Wenn größere Äste direkt am Stamm entfernt werden müssen, sollte man an der richtigen Stelle schneiden.

die richtige Stelle um einen Ast zu entfernen…
…ist direkt hinter dieser Verdickung am Übergang zum Stamm oder größeren Ast.

noch ein paar allgemeine Infos und Tips zum Obstbaumschnitt

  • Schneidet Eure Bäume nicht bei Minusgraden. Den ersten Schnitt solltet Ihr Euren Obstbäumen aber schon im zeitigen Frühjahr gönnen. Schaut einfach im Wetterbericht, dass in den nächsten Tagen danach kein Frost angesagt ist. Ein Nachschnitt erfolgt dann im Sommer. Ihr könnt jetzt Euren Schnitt noch etwas korrigieren, und die Wasserschosse ausreißen (wie oben beschrieben).
  • Ältere Birnbäume zum Beispiel sollten nicht mehr geschnitten werden. Laut Ruben bringt das einfach nichts und tut dem Baum nicht gut. Alte Birnbäume wachsen nach dem Schnitt auch nicht mehr gut nach.
  • Dünnere Äste schneidet Ihr mit einer scharfen Gartenschere. Dickeren Ästen rückt Ihr mit einer Säge zu leibe. Denn sie würden von den meisten Scheren nur gequetscht. Achtet darauf, dass Ihr mit der Säge von beiden Seiten sägt. Sonst reißt die Rinde an einer Seite aus.

Obstbaum-Krankheiten und -Pflege

Krankheiten an Obstbäumen waren bei den Teilnehmern ein großes Thema. Viele Bäume scheinen in diesem Jahr kläglich „vor sich hin zu kümmern“. Obwohl einige Gäste sogar kranke Ästchen von Ihrem Bäumen mitgebracht hatten, war eine „Diagnose“ aus der Ferne natürlich schwierig. Wir haben aber gelernt, dass das extreme Wetter der letzten Jahre auch den Bäumen zu schaffen macht.

Große Temperaturschwankungen, Trockenheit und stürmisches Wetter setzen den Pflanzen zu. Auf jeden Fall sollte man einen krank aussehenden Baum nicht zu schnell aufgeben. Im nächsten Jahr kann die Welt schon wieder ganz anders aussehen. Gift und chemische Spritzmittel gehören jedenfalls auf keinen Fall in unsere Gärten. Man kann aber den Baum stärken, z.B. mit Dünger. Das schadet ja nie.

Bäume düngen

Bäume brauchen Nährstoffe. Das ist klar. Generell muss ein gesunder Baum, der an seinem idealen Standort steht nicht regelmäßig gedüngt werden. Sieht Euer Baum aber schwach oder krank aus, schadet es nicht ihn zu stärken. Es gibt spezielle Obstbaum-Dünger im Handel. Wenn Ihr aber zielgerichtet düngen möchtet, empfiehlt der Profi eine Bodenprobe bei der LUFA (der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt NRW) einschicken. Gebt dabei an, was für einen Baum Ihr habt. Dann bekommt Ihr eine ganz konkrete Dünger-Empfehlung.

Wunden an Bäumen behandeln

Finer weg von Wundverschlussmitteln! Immer noch liest man häufig, dass man Wunden an bäumen verschließen muss. Dafür gibt es im Handel die tollsten Pasten. Unser Gärtner rät davon aber klar ab.

Der Grund: Der Baum verschließt die Wunde selbst! Sobald Ihr ihn schneidet, bildet der Baum „Wundflüssigkeit“. Genau wie eine Wunde bei Euch selbst. Aber wenn Ihr Euch ein Pflaster verpasst, dann meist ein „atmungsaktives“, was zudem auch noch regelmäßig gewechselt wird.

Ander bei den Wundschutzmitteln für Gehölze. Sie verschließen die Wunde luftdicht. Die „Wundflüssigkeit“ sammelt sich darunter. Dadurch kann es zu Bakterien, Pilzen und Fäulnis kommen.

Flechten an der Baumrinde

Ein mitgebrachter Zweig einer Teilnehmerin war übersät mit Flechten.

Flechten sind für den Baum nicht gefährlich. Sie kommen vornehmlich an älteren Gehölzen vor. Der Baum ist lediglich Ihr Lebensraum. Aber sie zehren nicht an ihm. Flechten haben keine Wurzeln und ziehen sich ihre Nährstoffe aus der Luft. Also keine Sorge. Sie tun Euren Gehölzen nichts. Flechten genau zu bestimmen ist übrigens ziemlich schwer. Es gibt weltweit ca. 25.000 Arten davon  8-O.

Wir haben wieder viel gelernt, und sind buchstäblich von „Hölzchen auf Stöckchen“ gekommen. Alles kann ich gar nicht wieder geben, aber ich glaube, das wichtigste ist Euch hiermit berichtet 😉

♥lichst

Eure Gartenkinder

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