Obstbaumschnitt – ein Kurs in unserem Garten

Ihr lieben, das letzte Wochenende war schon ziemlich aufregend. Am Samstag hat in unserem Garten ein Obstbaumschnitt-Kurs stattgefunden. In kleiner Runde haben wir einiges Neues zu dem Thema gelernt. Und einen neuen Pflaumenbaum haben wir auch 🙂 Aber jetzt mal ganz von vorn…

An die Gelegenheit einen Obstbaumschnitt-Kurs in unseren Garten zu holen sind wir über den Geflügelzucht- und Gartenbauverein (GGV) Ummeln gekommen. Alle Jahre wieder wird hier ein Hobby-Gärtner gesucht, der seine Bäume dafür zur Verfügung stellt. Da haben wir unseren Garten nur zu gern angeboten. Einige Obstbäume haben wir ja. Und einer davon -ein kleiner Apfelbaum mit ganz tollen Äpfeln- ist bisher gewachsen, wie er wollte. Da war der Kurs eine tolle Gelegenheit für uns.

Der richtige Obstbaumschnitt, oder auch Pflanzenschnitt ganz allgemein, ist ja eines dieser Garten-Themen, zu dem jeder Hobby-Gärtner etwas zu sagen weiss. Ihr dürft nur nie mehr als einen danach fragen. Denn dann bekommt Ihr so viele unterschiedlichste Antworten, dass Ihr am Ende ganz verwirrt seid.

Am vergangenen Samstag war es dann also soweit. Gärtnermeister Ruben Wächter hat unseren Kurs geleitet. Ruben ist Inhaber der Garten und Landschaftsbau-Firma „Baum & Garten Wächter“ hier in Bielefeld.

Als erstes hat Ruben uns einen neuen Obstbaum in unseren Garten gesetzt. Der Pflaumenbaum der Sorte „Königin Viktoria“ ist ein Geschenk des GGV Ummeln. Als Dankeschön dafür, dass wir unseren Garten zur Verfügung gestellt haben. Und schon waren wir mitten drin in unserem Kurs…

Wie pflanze ich einen Obstbaum richtig?

Das Pflanzen des Baumes war auch schon unsere erste Lektion. Und wir haben tatsächlich alle einiges Neues dabei gelernt. Für die erfahrenen Hobbygärtner unter den Teilnehmern war es natürlich nicht neu, dass das Pflanz-Loch mindestens doppelt so breit und tief sein sollte, wie der Wurzelballen des Baumes. So stellt man sicher, dass sich um den Ballen herum genug lockere Erde befindet. Darin können sich die Wurzeln gut ausbreiten und der Baum kann gut anwachsen. Den Obstbaum setzt Ihr nun in das Pflanz-Loch. Aber bitte nicht tiefer, als er in der Baumschule eingegraben war. Die Stelle erkennt man meistens gut an den Farbunterschieden am Stamm.

Das Pflanz-Loch sollte doppelt so groß sein, wie der Wurzelballen

Die Wurzeln unseres neuen Bäumchens hat der Ruben vorher eingekürzt. Dabei haben wir gelernt, dass die dicken Wurzeln hauptsächlich dazu dienen, den Baum zu stabilisieren. Ansonsten leiten Sie nur noch das Wasser nach oben, welches die feinen Haar-Wurzeln aus der Erde aufnehmen. Diese Haar-Wurzeln sind die eigentlich wichtigen, die den Baum versorgen. Durch das Kürzen der dicken Leitwurzeln, wird das Wachstum neuer Wurzeln gefördert.

Das Einkürzen der Wurzeln fördert das Wurzelwachstum nach dem Pflanzen
Wo ist denn der Pfahl?

Aber dann wurde es schon spannend. Denn unseren erfahrenen Hobbygärtnern fehlte ein Pfahl, um den Baum zu stabilisieren. Ich glaube das Bild kennen wir alle. Ein Junger Obstbaum, der mit einem Sisal-Seil an mindestens einen stabilen Holzpfahl angebunden ist. Am Samstag haben wir gelernt, dass diese Maßnahme meistens überflüssig ist. Man sollte hier den Nutzen gut abwägen. Vor allem solltet Ihr auch bedenken, dass beim Anbinden ein Seil um den Stamm des Baumes gebunden wird. Dadurch entsteht eine Stelle, die regelmäßig überprüft werden muss. Denn wenn der Baum wächst, wird das Seil sonst irgendwann die Rinde beschädigen.

Ein Pfahl kann sinnvoll sein, wenn der Baum sehr schwache Wurzeln hat. Und wenn er starkem Wind ausgesetzt ist. In Baumschulen werden die Bäume auch mit Pfählen stabilisiert. Das Bild kenn jeder, der etwas ländlich wohnt. Hier ist das auch nötig, laut Ruben. Denn in den Baumschulen werden die Wurzelballen regelmäßig mit einem Spaten abgestochen um sie klein zu halten. Das geschieht als Arbeitserleichterung. Weil die Bäume während Ihre Kulturzeit in der Baumschule mehrfach verpflanzt werden müssen. So ein Baum hat also schon einiges hinter sich, wenn er in Eurem Garten ankommt.

Sinnvoller als ein Pfahl kann ggf. eine „Wurzelballen-Verankerung“ sein. Das sind stabile Konstruktionen aus Seilen (Drahtseile und Gurte) und Metallankern. Diese werden um und unter dem Wurzelballen angebracht um den Baum zu sichern. Das stabilisiert den ganzen Baum. Solche Maßnahmen sind sinnvoll, wenn man einen sehr großen Baum mit kleinem Wurzelballen pflanzt. Ebenso aber kann so eine Konstruktion als Diebstahlsicherung dienen. Für teure und seltene Bäume.

Schutz vor Wühlmäusen?

Einigen fehlte bei der Pflanzung ein Schutz vor Wühlmäusen. Auch den hat unsere „Königin Viktoria“ nicht bekommen. Wühlmäuse wirklich fern zu halten ist auch schwer. Laut unserem Gärtnermeister. Ein Korb aus „Kaninchendraht“ wäre denkbar. Aber so ein Korb hält aktiven Wühlmäusen meist auch gar nicht stand. Die kleinen Nager sind in der Lage, solche dünnen Drähte durchzubeißen. In unserem Garten haben wir bisher kein Wühlmaus-Problem. Daher habe ich hier auch ehrlich gesagt nicht weiter nachgehakt.

Während der Pflanzung haben wir unser neues Bäumchen natürlich gut angegossen. Und am Ende die Erde um den Stamm ordentlich festgetreten.

Wie schneide ich richtig? – das eigentliche Thema

Schon beim Pflanzen eines Baumes muss dieser geschnitten werden. Der so genannte „Pflanzschnitt“ gibt die erste Richtung vor. Unser Pflaumenbaum hatte einen ziemlich langen Mitteltrieb oder auch „Leit-Trieb“. Diesen hat Ruben Wächter erst einmal ordentlich eingekürzt. Dann hat er alle „mickrigen“ Triebe komplett entfernt. D.h. direkt am Stamm abgeschnitten. Anschließend wurden einige lange Seitentriebe eingekürzt.

Überzählige schwache Triebe werden direkt am Stamm entfernt

Jetzt war unser Apfelbaum dran. Also, einer davon. Wir haben uns darauf geeinigt, unsern kleinen „krüppeligen“ Baum im Schildkröten-Gehege zu schneiden. Da gab es einiges zu tun. Der Baum ist in den letzen Jahren so vor sich hin gewuchert.

unser „wild wuchernder“ Apfelbaum

Was gibt es denn grundsätzlich zu beachten?

An den Baumschnitt darf man nicht zu zaghaft dran gehen. Zwei Sätze haben den Kurs für mich geprägt! „Zuviel ist ganz unten“ und „durch die Krone muss man einen Hut werfen können“. Übersetzt: Zuviel abschneiden geht eigentlich nicht. Obst braucht zum Wachsen viel Licht und Wärme. Deshalb schneidet Ihr Eure Obstbäume am besten mit ein bisschen Erfahrung und viel Gefühl. Geschnitten wird immer leicht schräg und dicht über einer Knospe. Diese Knospe sollte unbedingt nach außen zeigen.

Der richtige Schnitt: leicht schräg und dicht über einer Knospe

Auf keinen Fall sollten sich einzelne Äste zu dicht kreuzen. Wenn Äste sich berühren und aneinander reiben, entstehen Schäden an der Rinde. Im Grunde soll man alle Triebe entfernen, die nach unten, nach innen oder senkrecht nach oben wachsen. und das war bei unserem Apfelbaum eine ganze Menge.

Unser Baum hatte unglaublich viele Wassertriebe

so genannte Wassertriebe (das sind die dünnen Triebe die senkrecht hoch wachsen) reißt man am besten heraus. An Ihren Enden schlummern „blinde Augen“. Schneidet man den Trieb ab, werden diese schlafenden Knospen aktiv. Das Ergebnis sind meist mindestens drei neue Wassertriebe an derselben Stelle im nächsten Jahr. Wenn man die Triebe ausreißt, entfernt man die Knospen meist mit. So ist der unerwünschte Trieb wirklich dauerhaft beseitigt. Der Baum hat mehr Kraft für die Fruchtbildung. Ihr braucht keine Angst haben, den Baum dabei zu verletzen. Die Wunden heilen in der Regel gut.

an der stelle wurde ein Wassertrieb „ausgerissen“
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Schnitt?

Das kommt ganz auf die gewünschte Wirkung an. Je nachdem, warum man gerade schneidet. Was wir an unserem Pflaumenbäumchen gezeigt bekommen haben, war der Pflanz-Schnitt. Der passiert natürlich immer bei der Pflanzung.

Später erhält der erwachsene Baum regelmäßig einen Pflege- oder Erhaltungsschnitt. Dabei wird die Form erhalten und das Fruchtholz gefördert. Den Pflegeschnitt führt man im Frühjahr oder im Herbst durch. Dabei muss man wissen, dass der Baum im Frühjahr nach dem Schnitt kräftig neu austreibt. Im Herbst, wird das Wachstum langsamer.

Ein Verjüngungsschnitt ist genau dass, was der Name verheisst. Ein starker schnitt, der den Baum verjüngen soll. hier werden alte Treibe entfernt und Junge triebe werden gefördert. Diesen Schnitt macht man im Frühjahr. So treibt der Baum gut wieder aus. Im Sommer entfernt man dann schwaches Fruchtholz aus dem Baum.

Besonderheiten bei Steinobst

Steinobst wie Kirschen oder auch Pflaumen braucht keinen so starken Schnitt wie Apfel und Co. Ruben empfiehlt Kirschen bei der Ernte zu schneiden. Das ist für den Baum der richtige Zeitpunkt. Außerdem erleichtert es die Ernte natürlich ungemein. Ihr könnt einfach die Äste, die Ihr abgeschnitten habt, ganz bequem am Boden abernten  😉 Pflaumenbäume schneidet Ihr am besten nach der Frucht.

Obstbaumschnitt-Kurs Teil 2

Das war er nun also, der Obstbaum-Schnittkurs in unserem Garten. Es hat wirklich Spass gemacht. Im August wird es eine Fortsetzung des Kurses geben. Dann schauen wir uns an, wie unser neuer Pflaumenbaum und der beschnittene Apfelbaum sich entwickelt haben. Wir sind schon sehr gespannt!

Wie sind Eure Erfahrungen mit Obstgehölzen? Habt Ihr auch Obstbäume im Garten? Oder vielleicht Säulenobst oder Beerensträucher in Kübeln auf Balkon oder Terrasse? Und habt Ihr da schonmal die Schere angesetzt?

Wir werden da zukünftig wohl noch etwas mutiger werden  😀

♥lichst

Eure Gartenkinder

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